Förderung zur Erforschung von chronischen Darmentzündungen bei Kindern
08.09.2026
LMU-Mediziner Daniel Kotlarz erhält die Förderung im Programm Rise up! der gemeinnützigen Boehringer Ingelheim Stiftung.
08.09.2026
LMU-Mediziner Daniel Kotlarz erhält die Förderung im Programm Rise up! der gemeinnützigen Boehringer Ingelheim Stiftung.
Daniel Kotlarz, Heisenberg-Professor für Präzisionsmedizin entzündlicher Darmerkrankungen im Kindesalter | © LMU Klinikum
Daniel Kotlarz, Heisenberg-Professor für Präzisionsmedizin entzündlicher Darmerkrankungen im Kindesalter an der LMU und Gruppenleiter am Institute of Translational Genomics von Helmholtz Munich, erhält eine Förderung in Höhe von rund 600.000 Euro aus dem Förderprogramm Rise up! der gemeinnützigen Boehringer Ingelheim Stiftung. Mit dem Programm unterstützt die Stiftung herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem kompetitiven, bundesweiten Auswahlverfahren beim Aufbau eigenständiger Forschungsprofile in einer frühen Phase ihrer W2-Professur. Die Förderung richtet sich an exzellente Forschende, die besonders innovative und wissenschaftlich risikoreiche Projekte verfolgen und hierfür Freiräume jenseits der regulären Grundausstattung einer Professur benötigen.
Über einen Zeitraum von drei Jahren unterstützt die Stiftung das Forschungsprojekt von Professor Daniel Kotlarz mit dem Titel „Unraveling dysregulated cell death pathways in intestinal inflammation – Monogenic inflammatory bowel disease as a precision model for target discovery“. Ziel des Projekts ist es, die molekularen Ursachen besonders schwerer chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen im Kindesalter zu entschlüsseln und neue Ansatzpunkte für personalisierte Therapien zu identifizieren.
Sehr früh beginnende chronisch-entzündliche Darmerkrankungen treten bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter auf und verlaufen häufig besonders schwer. Bei einem Teil der betroffenen Kinder liegen seltene genetische Defekte zugrunde, die zentrale Signalwege des programmierten Zelltods beeinträchtigen und dadurch überschießende Entzündungsreaktionen im Darm auslösen können.
Das geförderte Forschungsprojekt nutzt diese seltenen monogenetischen Erkrankungen als Präzisionsmodelle, um grundlegende molekulare Mechanismen entzündlicher Erkrankungen zu entschlüsseln. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie gestörte Zelltodprozesse in Immun- und Darmepithelzellen chronische Entzündungen auslösen und welche molekularen Signalwege sich für innovative therapeutische Interventionen eignen. „Unser Ziel ist es, die dabei gewonnenen Erkenntnisse in neue diagnostische und therapeutische Ansätze zu überführen – zunächst für betroffene Kinder, langfristig aber auch für Patientinnen und Patienten mit häufigeren chronisch-entzündlichen Erkrankungen“, sagt Daniel Kotlarz.
Unser Ziel ist es, die gewonnenen Erkenntnisse in neue diagnostische und therapeutische Ansätze zu überführen – zunächst für betroffene Kinder, langfristig aber auch für Patientinnen und Patienten mit häufigeren chronisch-entzündlichen Erkrankungen.Daniel Kotlarz
Klinische Beobachtungen aus der Versorgung betroffener Kinder bilden den Ausgangspunkt für die experimentelle Forschung. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend wieder in die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Strategien zurückgeführt werden.
Hierbei kombiniert das Forschungsteam modernste Multi-omics-Technologien und computergestützte Analysen mit innovativen humanen Krankheitsmodellen auf Basis induzierter pluripotenter Stammzellen (Darmorganoide und Immunzellen). Aufbauend auf diesen Erkenntnissen sollen schließlich potenzielle therapeutische Zielstrukturen identifiziert und in präklinischen Modellen funktionell validiert werden. Langfristiges Ziel ist es, neue Präzisionstherapien für Kinder mit schweren entzündlichen Darmerkrankungen zu entwickeln.
Die Ergebnisse könnten nicht nur die Behandlung seltener monogenetischer Darmerkrankungen verbessern. Da viele der identifizierten Entzündungsmechanismen auch bei den häufigeren Formen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen eine Rolle spielen, verspricht das Projekt wichtige Erkenntnisse über chronische Entzündungsprozesse und eröffnet neue Perspektiven für die Entwicklung neuer Präzisionstherapien mit breiter klinischer Relevanz.
„Die Förderung unterstreicht die wissenschaftliche Exzellenz der pädiatrischen Forschung im Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums. Das Projekt verbindet innovative Grundlagenforschung mit einer klaren klinischen Perspektive und hat das Potenzial, die Behandlung von Kindern mit seltenen entzündlichen Erkrankungen nachhaltig zu verbessern“, sagt Professor Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums in München.
Mit der Förderung setzt Daniel Kotlarz seine erfolgreiche Forschung zu seltenen immunologischen und entzündlichen Erkrankungen konsequent fort. Erst kürzlich erhielt er eine Exzellenzförderung im Heisenberg-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und wurde auf die W2-Professur für Präzisionsmedizin chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen im Kindesalter in der Abteilung für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung am LMU Klinikum berufen.
In seiner Doppelfunktion als Professor am LMU Klinikum und Gruppenleiter bei Helmholtz Munich verbindet Daniel Kotlarz klinische Spitzenmedizin mit moderner Genomik, Computational Biology und translationaler Systemmedizin. Die nun bewilligte Förderung stärkt die enge wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen LMU Klinikum und Helmholtz Munich und schafft die Grundlage, neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung schneller in innovative diagnostische und therapeutische Anwendungen für Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu überführen.